Neuköllner Kultur zwischen Kürzungen und Verdrängung

Die Kürzungstiraden des schwarz-roten Senats haben Neukölln in den letzten zwei Jahren hart getroffen. Steigende Mieten und Verdrängung hatten ohnehin schon immer mehr Räume für Kunst und Kultur verschwinden lassen. Nun geraten Theater, Clubs und Atelierhäuser zusätzlich unter Druck – aber auch Jugend- und Familienzentren sowie andere nachbarschaftliche Einrichtungen. Dabei sind es gerade diese Orte, die das kulturelle und soziale Leben im Bezirk prägen und Menschen im Alltag zusammenbringen.

Neukölln ist schon sehr lange das Kunstlabor Berlins, hier leben die meisten Künstler*innen der Kulturhauptstadt. Von der Musikschule bis zur Neuköllner Oper, von kleinen Bühnen bis zu selbstorganisierten Kunstvereinen entsteht hier Kultur nah am Alltag und oft mit wenig Mitteln. Kultur ist dabei weit mehr als ein Freizeitangebot.

Protest gegen die Kürzungen im Kulturbereich: Für den Erhalt von Kultur, Begegnungsorten und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Foto: Christina Hilmer-Benedict

Sie schafft Begegnungen, eröffnet Perspektiven und macht gesellschaftliche Teilhabe möglich, denn Kultur wird nicht (nur) konsumiert, sondern vielfach gemeinsam gestaltet. Und genau diese Orte brauchen bezahlbare Räume und verlässliche Förderung.

Umso folgenreicher sind die Kürzungen des Senats. Denn sie treffen eine Infrastruktur, die bereits durch steigende Gewerbemieten und Flächendruck geschwächt ist. Geht ein Ausstellungsraum verloren, verschwindet nicht nur ein Veranstaltungsort. Schließt ein Jugendzentrum, geht nicht nur ein Angebot verloren.

Christina Hilmer-Benedict, Direktkandidatin im Wahlkreis 3. Foto: Dora Csala

Es verschwinden Orte der Begegnung, des Austauschs und der Unterstützung, die oft über Jahre gewachsen sind und die sich nicht einfach wieder ersetzen lassen. Die Raumfrage ist deshalb längst auch eine soziale und kulturelle Frage: Welche Orte bleiben? Welche Kultur kann sich noch halten? Und wer wird verdrängt?

Die Neuköllner*innen brauchen natürlich zuvorderst bezahlbare Wohnungen! Aber auch frei zugängliche Orte für Kunst, Kultur und Gemeinschaft sind unabdingbar. Wer dort kürzt, gefährdet nicht nur das kulturelle Leben, sondern auch den Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft.

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