In den Neuköllner Schulgemeinschaften herrscht massive Unsicherheit. Das vorgelegte Rückbaukonzept des Bezirksamts weist Schulgebäude für den Abriss aus, ohne dass die Schulen Alternativen angeboten bekommen haben oder zuvor in die Planung eingebunden wurden. In der heutigen Sitzung des BVV-Ausschusses Bildung, Schule und Kultur am 7. Juli 2026 wird das Rückbaukonzept sowie dessen Auswirkungen auf einzelne Schulstandorte – darunter die Schule am Sandsteinweg, die Karl-Weise-Schule und die Schule am Bienwaldring – beraten. Darüber hinaus wird eine schulfachliche Stellungnahme des Schulamtes zum Rückbaukonzept erwartet.
Dazu Susann Worschech, bildungspolitische Sprecherin der Grünen Fraktion Neukölln:
„Neuköllns Schullandschaft wird und muss sich ändern – das geht aber nur gemeinsam mit den Schulen. Wir wollen unsere gut ausgelasteten Standorte stärken, unterausgelastete Schulen gezielt weiterentwickeln, Campus- und Gemeinschaftsschulen fördern und dabei den Raum nach der Pädagogik ausrichten, nicht umgekehrt. Jetzt müssen die Weichen für eine langfristige Schulentwicklung gestellt werden, damit die Schulen endlich wieder in Ruhe arbeiten können.“
Auf Initiative der Grünen Fraktion Neukölln wurde im Ausschuss für Bildung, Schule und Kultur bereits ein Antrag eingebracht, dass das Rückbaukonzept in seiner bisherigen Form zurückgewiesen und ein Umgestaltungskonzept eingefordert wird (Drucksache 2463/XXI). Der Antrag wird in der nächsten BVV am 02.09.2026 abgestimmt.
Die Grüne Fraktion Neukölln fordert: Jetzt braucht es den nächsten Schritt – eine langfristige Strategie für die Entwicklung der Neuköllner Schullandschaft.
1. Schulentwicklung statt Abrissbirne
Die Budgetplanung muss den strategischen Zielen der Neuköllner Schulentwicklung folgen – nicht umgekehrt. Grundlage dafür ist ein aktueller Schulentwicklungsplan, der belastbare Prognosen zu den Schülerzahlen mit pädagogischen Bedarfen verbindet. Ziel muss sein, bestehende und funktionierende Infrastruktur langfristig zu sichern, auch wenn der Bedarf an Schulplätzen erstmal geringer ist.
2. Schulfachliche Prüfung und belastbare Datengrundlagen
Über Schulflächen darf nicht allein nach betriebswirtschaftlichen Kriterien entschieden werden. Pädagogische Anforderungen müssen den Rahmen vorgeben. Dafür braucht es eine verlässliche Kosten- und Datengrundlage. Insbesondere muss sichergestellt werden, dass schulfremde Ausgaben nicht den Schulbudgets zugerechnet werden und die tatsächlichen Kosten einzelner Standorte transparent ermittelt werden.
3. Schulstandorte gemeinsam mit den Schulgemeinschaften entwickeln
Veränderungen an Schulstandorten dürfen nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg beschlossen werden. Schulleitungen, Lehrkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler müssen frühzeitig in die Planungen einbezogen werden. Ihre Erfahrungen und Lösungsvorschläge sind eine wesentliche Grundlage für tragfähige Entscheidungen.
4. Strategisch umbauen statt pauschal zurückbauen
Sinkende Schülerzahlen eröffnen die Chance, die Neuköllner Schullandschaft gezielt weiterzuentwickeln. Gut ausgelastete Standorte sollen gestärkt werden. Wo dauerhaft Überkapazitäten bestehen, können Schulen zusammengeführt oder in andere Gebäude integriert werden. Gleichzeitig müssen bereits heute Perspektiven für dringend benötigte Oberschulplätze mitgedacht werden – zum Beispiel durch die Entwicklung von Grundschulen zu Gemeinschaftsschulen.

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